Shuttle «Discovery» am Weltraumbahnhof startklar
Space-Shuttle DiscoveryAm 13. Juli soll zum ersten Mal seit der «Columbia»-Tragödie wieder eine US-Raumfähre starten.
Cape Canaveral/Washington - Zweieinhalb Jahre nach dem Absturz der Weltraumfähre «Columbia» ist die Weltraumbehörde NASA startklar zur Rückkehr ins All. An diesem Mittwoch um 21.51 Uhr (MESZ) soll die «Discovery» mit sieben Astronauten an Bord vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida abheben.Meteorologen blickten dort am Dienstag zuversichtlich in den strahlend blauen Himmel. Eine wetterbedingte Verzögerung war nicht in Sicht. Die «Discovery» soll zu der in 400 Kilometern Höhe um die Erde kreisenden Internationalen Raumstation (ISS) fliegen, um Material für den weiteren Ausbau anzuliefern. Dazu gehört auch eine bei EADS Space in Bremen gebaute Nutzlastpalette, die als erstes sichtbares europäische Versatzstück an die ISS geschraubt werden soll. Auf der gut vier mal zweieinhalb Meter großen Palette können wichtige Werkzeuge und Ersatzteile gelagert werden, die die ISS-Bewohner gern jederzeit zur Hand haben wollen.
Die NASA hat die Raumfähren seit dem «Columbia»-Unglück umfangreich überholt, 41 große Veränderungen vorgenommen und den riesigen Treibstofftank völlig neu konzipiert. Davon waren damals beim Start Schaumstoffteile abgesprungen, die die Hitzekacheln am linken Tragflügel beschädigten.
Beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre strömten dadurch heiße Gase ins Innere, verglühten Kabel und Leitungen und ließen die Fähre 60 Kilometer über Texas auseinander brechen. Dennoch sind die Risiken nicht völlig ausgeräumt. «Ein Shuttle zu fliegen enthält erhebliche Risiken, und das wird auch so bleiben», sagte NASA-Direktor Michael Griffin.
Erstmals in der Shuttle-Geschichte wollen die Astronauten schon während des Flugs etwaige Beschädigungen mit einem auf 15 Meter verlängerten Roboterarm und daran montierten Kameras inspizieren. Vor dem Andocken an der Raumstation am Freitag um 18.27 Uhr MESZ soll die «Discovery» eine Art Rolle rückwärts einlegen, damit die beiden Bewohner der Station Fotos von der Unterseite machen können. Die Astronauten haben auch Flickzeug dabei, darunter Kittspachtel und Klebematerial. Allerdings muss das Material erst unter Weltraumbedingungen getestet werden. Sollten tatsächlich Schäden festgestellt werden, würden die Astronauten in der ISS bleiben und mit der «Atlantis» zur Erde zurückgeholt.
«Wir sind eine Forschernation», sagte Collins. «Wir sind Leute, die neue Dinge entdecken und lernen wollen. Meine Devise ist: nimm Risiken in Kauf, aber nur solche, die Du kennst und verstehst.»
Für die Crew unter Kommandantin Eileen Collins beginnt der Flugtag am Mittwoch um 05.45 Uhr Ortszeit mit dem Frühstück und letzten technischen Einweisungen. Sieben Stunden später steigen sie in das Shuttle ein. Sie müssen dreieinhalb Stunden in dem senkrecht auf die Startrampe 39B montierten Shuttle warten und Instrumente testen, ehe die drei Triebwerke und die beiden Boosterraketen gezündet werden. Wenn alles nach Plan verläuft, kehrt die «Discovery» am 25. Juli zur Erde zurück.