Yager -Test
Das Debutgame der deutschen Spieleschmiede Yager Development, mit dem bezeichnenden Titel Yager erscheint nach der Xbox-Version nun auch für PC. Auf der Konsole hat es bereits bewiesen, dass Spiele aus Deutschland auch in der hart umkämpften Action-Branche für Furore sorgen können.
Ich bin ein Großer
Man schlüpft in die Rolle des Magnus Tide, seines Zeichens Freelancer im Yager Universum. Er hat ein Ego, das wenigstens die Größe des Mount Everest besitzt und ist nie um einen Schenkelklopfer verlegen. Nachdem er lange Zeit untergetaucht war, weil er einen Job für die „Proteus Corporation“ vermasselt hatte, wird er neuerlich von eben dieser angeheuert. Sie ist neben der „DST“ eine der beiden großen Konzerne, welche die Welt in nicht all zu ferner Zukunft durch ihre finanzielle Macht quasi regieren.
Da es zwischen diesen beiden Firmen und weiteren Gruppierungen, wie Söldnern, Piraten und eigenständigen Händlern kleinere und größere Querelen gibt, die oftmals in Kämpfen ausarten, ist die Aufgabe des Helden schnell zu erraten: Gegen Geld fliegt man Mission für Mission in einem futuristischen Kampfjet namens Sagittarius über der Erde und versucht ein wenig Ordnung in das Chaos zu bringen.
Die Sagittarius ist eine Art ultrawendiger Senkrechtstarter, der sich zusätzlich in einen mehr oder weniger typischen Jet transformieren kann. Zudem ist das Teil mit den modernsten Waffen und sonstigem Brimborium bestückt, das seines gleichen in der Welt von Yager sucht.
Man beginnt mit ein paar Trainingsmissionen, weil die Proteus Corporation jeden neu angeheuerten Piloten testet, auch wenn's ein alter Bekannter ist, was Magnus natürlich volle Lotte gegen den Strich geht. Doch recht schnell stellt sich heraus, dass die Corporation Probleme mit Piraten hat und bevor man sich versieht fliegt man schon an vorderster Front. Doch es bleibt natürlich nicht dabei, ein paar Piraten vom Himmel zu holen. Magnus erhält den Auftrag herauszufinden, woher die immer stärker werdenden Piratenangriffe kommen und was dahintersteckt.
Dogfight
Herzstück des Spiels sind, wie sollte es auch anders sein, die actionreichen Missionen, die man fast ausschließlich in der Sagittarius bestreitet. Wie schon gesagt, gibt es zwei Flugmodi, den Hover- und den Jetmode. Mit ersterem lässt es sich Schweben, aber nur langsam, dafür jedoch in alle Richtungen, bewegen. Diese Art der Steuerung ähnelt stark einem 3D-Shooter. Im Jet-Modus verhält sich Magnus’ Prachtstück eher konventionell. Eine Geschwindigkeitsregelung gibt es dabei leider nur in Form einer Bremse, ansonsten düst man im Jetmode mit Vollgas.
Die Steuerung wiegt dieses Manko leider auch nicht ganz auf. Sie ist - besonders am Anfang - relativ kompliziert und ungewohnt umgesetzt. Nach einer Weile jedoch gewöhnt man sich an sie und fängt an, gewisse Eigenschaften zu schätzen. Tipp: Unbedingt im Menü Autocenter aus- und Profi-Jet-Mode einschalten und häufig zwischen den beiden Modi je nach Situation wechseln.
Zudem bekommt man im Verlauf des Spiels verschiedene neue Waffen, zwischen denen man ständig wechseln kann, solange Munition vorhanden ist. Diese kann man lediglich durch im Level verteilte Pick-Ups aufstocken.
Das HUD ist übersichtlich und liefert in angenehmer Form alle notwendigen Informationen. Nur das Zielsystem ist ein wenig mager ausgefallen, da man nur einen Gegner der sich gerade im Visier befindet dauerhaft erfassen kann und dessen Darstellung auf dem Radar nur wenig hilfreich ist. Weitere Hilfsmittel zu Zielerfassung und –verfolgung gibt es nicht.
An dieser Stelle seien noch die drei verschiedenen Ansichten erwähnt, mit denen man Yager spielen kann. Von der Verfolger-, Cockpit- und freien Ansicht spielt sich die mittlere jedoch am besten und sieht durch schadennehmendes Glas auch besonders schick aus.
Ein neuer Tag, eine neue Mission
Viel Action ohne Sinn? Nicht bei Yager, denn hier steht Abwechslung ganz oben. Die Entwickler haben sich extra Mühe mit Atmosphäre und Missionsdesign gemacht, die einem immer wieder neue Fertigkeiten abverlangen. So reicht das Sortiment an Missionstypen vom actionreichen Ausräuchern einer ganzen Piratenbasis, bis hin zum Stealth-Einsatz, in dem ihr vorerst nicht entdeckt werden solltet. Dann heißt es in den Hoover-Modus zu schalten, den Radar zu beobachten und gegnerischen Stellungen und Feinden auszuweichen, oder mit dem Yager-Äquivalent des Snipergewehres Gegner frühzeitig und vor allem leise auszuschalten. Trotzdem lässt sich auch jede Mission durch stupides Ballern bestreiten. Dies wird vor allem durch den extremen Autoaim ermöglicht, der wohl ein intelligentes Waffensystem und bewegliche Waffen simulieren soll, aber ein echtes Zielen nicht nur unnötig, sondern zum Teil auch unmöglich macht.
Als besonderes Schmankerl darf man in manchen Missionen sogar aus dem Schiff aussteigen und auf dem Sitz eines Geschützes Platz nehmen. Da hier das Autoaiming fehlt, spielt es sich zudem erfrischend anders.
An sich wirken die Missionen gut durchdacht und bieten eine gewisse Dynamik, die sich im Grunde nur durch Bonusziele auszeichnet, die man erreichen kann. Ansonsten laufen sie recht linear ab, lediglich beim ersten Mal weiß man nicht, was im Verlauf so alles passieren wird. Und gerade da bietet Yager immer wieder überraschende Elemente.
Damit man auch weiß, wie man sich zu verhalten hat, wird jede Mission durch in Spielgrafik gehaltene, aber nicht in Echtzeit berechnete, Sequenzen eingeleitet. Über Funk (schön animierte 3D-Figuren werden eingeblendet) bekommt ihr zusätzliche Informationen, was den Ablauf betrifft und während der Mission werden dann auch Echtzeit Sequenzen abgespielt. Eine einblendbare Karte hilft ebenfalls zur Orientierung. Trotzdem muß man um immer genau zu wissen was gemacht werden muss, ständig die Funksprüche und die zwischendurch eingeblendeten neuen Missionsziele beachten. Dass dies in heißen Jagden nicht immer möglich ist, dürfte klar sein. Zwar lassen sich die Missionsziele mit der Karte anzeigen, doch genauere Beschreibungen fehlen leider.
Falls man dann einmal wirklich nicht früh genug zu den Reparaturstationen – die einzige Möglichkeit den Jet zu flicken – kommt und ins Gras beißt, oder bestimmte Missionsziele nicht erfüllt werden können, hat man die Möglichkeit, die Mission ganz von vorne zu beginnen, oder vom letzten automatisch gespeicherten Punkt wieder anzufangen.
Bonusjäger
Prinzipiell läuft Yager als fortlaufende Kampagne ab, ohne irgendwelche Zwischenergebnisse. Aber verlässt man das Spiel einmal, kann man sich zu jeder Mission die Statistiken ansehen. Dort sind z.B. auch alle Bonusziele aufgeführt und ob diese erreicht wurden. Weiterhin kann man für besonders gute Ergebnisse Sterne erhalten, die wiederum eine entsprechende Anzahl Slots in der Schiffsdatendank freischalten. Dort kann man zu jeder Region, in der man sich aufgehalten hat, die verschiedenen Fluggefährte ansehen und dazu Informationen abrufen.
Um die volle Übersicht zu erhalten müssen natürlich ausreichend Sterne erspielt worden sein. Aber wer nicht auf Anhieb die entsprechenden Ergebnisse erzielt hat, kann jederzeit einzelne Missionen erneut spielen und versuchen, dabei mehr herauszuholen.
Boah, ist das aber schön...
...konnte man schon bei der Xbox Version sagen. Doch extra für den PC wurden noch ein paar Verbesserungen an der Grafik vorgenommen. Dabei handelt es sich vor allem um die Texturen und bestimmte Effekte. Damit nimmt Yager eine seltene Sonderstellung im Dschungel der Konsolenportierungen ein, die ansonsten eher durch ignorante 1:1 Umsetzungen ohne Anpassungen an die höheren Anforderungen der PC Spieler negativ auffallen.
Um nur einige der Effekte zu nennen: Reflektierende Oberflächen, sehr realistische Wasser- und Umwelteffekte (z.B. Nebel), Bump-Mapping in Reinkultur und detailliert animierte Modelle von Jets, Booten und Häusern. Ein wenig mehr Polygone hätte man zwar in die Figuren stecken können, aber das wird vom Rest locker wettgemacht.
Soundtechnisch lässt Yager eigentlich keine Wünsche offen. Die Effekte sind ausgezeichnet in Szene gesetzt und auch die situationsbezogene Musik sorgt für die richtige Stimmung. Die Sprachausgabe - wahlweise deutsch oder englisch - kann man auch nicht bemängeln. Irgendwie wirkt bei Yager alles zu schön und zu rund, um wahr zu sein.
Einziger Dämpfer sind die relativ hohen Hardwareanforderungen, die aber durchaus vertretbar sind.
Ballern bis der Arzt kommt
Yager macht einen verdammt guten Eindruck und wenn man sich einmal mit der Steuerung vertraut gemacht hat, bekommt man einen Heidenspaß. Auch die Story ist im Rahmen der Möglichkeiten einigermaßen interessant, wobei sie vor allem von den skurrilen Charakteren lebt, während die Thematik nun nicht wirklich innovativ ist und sich die meisten Wendungen vorhersehen lassen.
Das alles kann letztendlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei Yager um ein relativ simples Ballergame in schickem Gewand handelt. Auch wenn es zunächst wie eine futuristische Luftkampfsimulation a la Echelon anmutet, zeigt sich doch recht schnell, dass Yager näher an einem Arcade Game, als an einer Simulation ist. Auf gleichwertige Gegner und harte Dogfights wartet man bei Yager vergebens, dafür bekommt man jede Menge Kanonenfutter geboten.
Ein Multiplayermodus ist zwar vorgesehen, aber in der Verkaufsversion nicht enthalten. Er wird wohl bald per Patch nachgeliefert werden. A propos Patch: die ersten zwei Patches zum Spiel sind bereits erschienen und man sollte den neusten auf jeden Fall runterladen, da insbesondere Probleme bei der Steuerung behoben werden, die zwar nicht gravierend, aber dennoch deutlich bemerkbar sind.
Anzumerken bleibt noch der hohe Speicherplatzbedarf auf der Festplatte, der es mir schleierhaft macht, warum dieses Spiel überhaupt als DVD ausgeliefert wird. Da man sich eh den ganzen Kram, mit Ausnahme der Videos, auf die Platte hauen muss, würden es auch ein paar CDs tun.